Ungeziefer nachhaltig bekämpfen

Marienkäfer sind die natürlichen Feinde von Blattläusen. Foto: tonyr380 via Twenty20
Marienkäfer sind die natürlichen Feinde von Blattläusen. Foto: tonyr380 via Twenty20

Niemand möchte Schädlinge und Ungeziefer zu Hause oder im Garten haben. Sie fressen die Blätter und Wurzeln ab und schlussendlich stirbt die Pflanze, wenn nicht dagegen vorgegangen wird.

Viele greifen leider zu chemischen Insektiziden, mit dem Gedanken, die Insekten loszuwerden. Der Haken dabei ist, dass mit solchen Mitteln alle Insekten vertilgt werden – etwa auch Bienen, die überaus nützlich sind. Und das ist auf lange Sicht ein großes Problem für die Umwelt. Um Ungeziefer zu bekämpfen, gibt es natürliche Möglichkeiten, die gut funktionieren und nicht die Umwelt belasten.

Als ideale Alternative können sowohl im Garten als auch im Haus natürliche Feinde der Schädlinge eingesetzt werden, um diese erfolgreich zu beseitigen. Hier gibt es ein paar Beispiele wie sich Nützlinge einsetzen lassen, um schädlichen Insekten den Kampf anzusagen.

Marienkäferlarven gegen Blattläuse

Die Marienkäferlarven eignen sich bestens zur Bekämpfung von Blattläusen, die etwa eine Forellenbegonie befallen haben. Dazu werden die Larven einfach auf die befallene Pflanze verteilt. Die Larven sehen nicht nur schön aus, sie fressen täglich Dutzende Blattläuse. Schon nach wenigen Tagen werden die Marienkäferlarven größer, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass sie viele Schädlinge fressen.

Wichtig ist nur, darauf zu achten, dass die Klimabedingungen stimmen. Marienkäferlarven mögen mildes Klima, das nicht zu heiß, aber auch nicht zu kalt ist. Bei zu kaltem Wetter fressen sie nichts, verkriechen sich und verfallen in Starre. Nach 30 bis 60 Tagen werden aus den Larven Marienkäfer.

Vor einer Überbevölkerung im Haus oder Garten braucht man sich keine Sorgen zu machen, denn diese werden mit der Zeit weniger. Wo weniger Blattläuse sind, sind auch weniger Marienkäfer. Wenn die Marienkäfer keine Blattläuse mehr finden, gehen sie zu anderen Pflanzen über, die befallen sind. Damit kommt es zu einem geregelten Gleichgewicht.

Im Gegensatz zu anderen Nützlingen ist der Kauf von Marienkäferlarven kostspieliger. Allerdings lohnt sich diese Art von Blattlausbekämpfung, weil sie auf natürliche Weise die Schädlinge vertilgt.

Schlupfwespen gegen Motten

Die Schlupfwespe ist ein natürlicher Feind der Motte und zählt damit zu den beliebtesten Nützlingen. Sie bekämpft Kleider- und Lebensmittelmotten. Ein weiterer Vorteil ist, dass sie sogar gegen Käufer und Läuse eingesetzt werden kann.

Biozide, wie sie in den meisten Mottensprays sind, sollten nicht in der Wohnung eingesetzt werden. Allergien und ggf. sogar Vergiftungen sind möglich. Nützlinge sind hingegen völlig ungefährlich.

Kai Westermeier, Experte für Schädlingsbekämpfung

Für den Menschen ist die Schlupfwespe gesundheitlich ungefährlich und unbedenklich. Darum kann sie selbst in der Küche bei Mottenbefall gut eingesetzt werden.

Sobald die Schlupfwespe auf Motteneier trifft, durchbohrt sie diese und legt ihre eigenen Eier darin ab. Die daraus entstehenden Larven fressen dann die Eier der Motten. Das Großartige daran ist, dass die Mottenplage damit an der Wurzel bekämpft wird.

Im Gegensatz zu anderen Schädlingen braucht das Bekämpfen bei einem Befall von Motten in der Regel 9 bis 15 Wochen mit neun bis fünf Bekämpfungen im Abstand von jeweils drei Wochen. Der unterschiedliche Zeitraum begründet sich im unterschiedlich langen Lebenszyklus. Kleidermotten haben einen Lebenszyklus von 15 Wochen, Lebensmittelmotten nur von ca. 9 Wochen. Danach sind alle Motten vernichtet. Die Schlupfwespe stirbt, sobald sie keine Motteneier mehr findet.

Raubmilben gegen Trauermücken

Beinahe jeder, der Pflanzen zu Hause hat, kennt die lästigen Trauermücken zu gut. Sie sehen ähnlich aus wie Fruchtfliegen, haben es aber auf die Pflanzen abgesehen. Ein Tipp ist, bereits beim Kauf der Blumenerde darauf zu achten, dass sie von guter Qualität ist. Zudem sollte die Pflanze nie im Wasser stehen, denn auch das lockt die Trauermücken in Massen an.

Sobald diese eine Pflanze befallen haben, sind es gefühlt Hunderte, die sich bei ihr aufhalten. In diesem Fall ist es wichtig, diese schnell zu bekämpfen, weil Trauermücken sich innerhalb weniger Tage vermehren. Außerdem fressen die Larven die Wurzeln der Pflanze, was dazu führen kann, dass die Pflanze stirbt.

Um diese schleunigst loszuwerden, können Raubmilben eingesetzt werden. Diese fressen die gelegten Eier sowie die kleinen Larven unter der Erde, bevor diese groß werden. Der Vorteil ist, dass diese Art der Schädlingsbekämpfung zuverlässig ist. Beim Einsatz der Raubmilbe kommt die Pflanze nicht zu Schaden. Sie rühren diese nicht an, sondern fokussieren sich ausschließlich auf die Larven der Trauermücke.

Ein Nachteil ist jedoch, dass sich mit dieser Methode die erwachsenen Insekten nicht bekämpfen lassen. Da diese aber nur wenige Tage leben, hat sich das Problem innerhalb kürzester Zeit erledigt. Wie bei der Schlupfwespe auch stirbt die Raubmilbe, sobald sie keine Nahrung mehr in Form von Insekten findet.

Das sollte beim Einsatz von Nützlingen beachtet werden

Bis die Schädlinge vollständig vertilgt sind, braucht es je nach Insekt wenige Tage bis über ein paar Monate. Es ist wichtig, abzuwarten und geduldig zu sein. Viele machen leider den Fehler und wollen die Schädlinge innerhalb zwei bis drei Tagen weghaben und greifen vor lauter Ungeduld zu Insektiziden. Bei jedem Einsatz von Nützlingen ist es jedoch wichtig zu wissen, keine chemischen Insektizide zusätzlich zu verwenden, weil die Nützlinge sonst auch getötet werden.

Fazit

Anstatt zu versuchen, die Schädlinge und Ungeziefer mit der Chemiekeule zu bekämpfen, sollte auf natürliche Methoden zurückgegriffen werden. Diese sind im Vergleich zu herkömmlichen Mitteln umweltfreundlich und biologisch nachhaltig. Zudem sind sie für den Menschen vollkommen unbedenklich.

Ungeziefer lassen sich durch ihre natürlichen Feinde schnell loswerden. Folglich sind die Pflanzen wieder frei von Blattläusen, Raupen und weiteren Schädlingen und sie kommen gar nicht mehr erst in den Garten beziehungsweise ins Haus rein.