Nachhaltigkeit ist in aller Munde, doch um etwas zu ändern, sollten Sie selbst im Urlaub danach handeln. Besonders wichtig ist dies bei einem Strandurlaub, denn durch vermüllte Strände gelangt Mikroplastik ins Meer. Die Folgen sind verheerend. Dieser Ratgeber gibt Tipps für einen nachhaltigen Strandtag und zeigt auf, wie Sie den Tag vorbereiten können.
Nachhaltige Vorbereitung auf den Strandbesuch
Der Strand ist ein begehrtes Ziel für den Familienurlaub. In den Prospekten und im Internet sehen die Betrachter eine lang gezogene Fläche mit meist weißem Sand, Kies und Felsen. Davor liegt das türkisblaue Meer und darüber strahlt ein blauer Himmel. Im Hintergrund sind grüne Wälder oder Palmen zu sehen. Dieses malerische Bild verführt dazu, von einem Urlaub im Paradies zu träumen.
Doch die Wirklichkeit sieht weniger schön aus. Im Jahr 2024 zeigte die Tagesschau in einem Onlinebericht ein komplett anderes Bild. Zwei bekannte indonesische Strände glichen einer Müllkippe, denn regelmäßig werden Abfallteppiche aus dem Meer und von Schiffen an die einst traumhaften Strände gespült.
Doch nicht überall kommt der Müll aus dem Meer zum Strand, sondern es verhält sich oft umgekehrt. Strandbesucher lassen ihren Müll am Strand liegen und vergessen, kleine Plastikspielzeuge wieder mitzunehmen – auch weil Kinder sie unbeabsichtigt beim Spielen vergraben. Oft gelangen dann der Müll und zurückgebliebene Strandutensilien ins Meer und verrotten dort zu Mikroplastik. Dies bedeutet den Tod für viele Meerestiere und Vögel.
Deshalb ist es besonders wichtig, die Strände von Abfällen zu befreien und dafür zu sorgen, dass erst gar keine entstehen. Wer sich das bewusst macht, für den ist klar, dass beim nächsten Strandtag Nachhaltigkeit an erster Stelle steht.
Nachhaltige Sonnencreme und Kosmetikartikel
Nicht fehlen darf die Sonnencreme, um nicht krebsrot nach Hause zurückzukehren. Doch gerade diese besteht aus Chemikalien, die dem Körper und dem Meer schaden. Achten Sie deshalb darauf, dass die Sonnencreme nachhaltig ist und kein Acrylates Crosspolymer oder Acrylates Copolymer enthält.
Sehen Sie sich die Inhaltsstoffe Ihrer Kosmetik ebenfalls genau an. Beinhaltet sie Polyethylen (PE) oder Nylon? Dann ist sie für einen nachhaltigen Strandtag nicht geeignet. Umweltfreundlicher sind Naturkosmetik und Produkte mit dem „Zero Plastic Inside“-Label.
Duschgel, Seife, Bodylotion und Shampoo nachhaltig und plastikfrei
Plastikfrei zu leben oder dieses im Alltag und im Urlaub zu reduzieren, ist gar nicht so schwer, wenn Sie die Alternativen kennen. Besonders im Urlaub brauchen Sie Duschgel und Shampoo häufiger, weil Sie sich das Salz und den Sand nach dem Strandtag von der Haut spülen. Ebenso wichtig ist das anschließende Eincremen. Vor Ihrem inneren Auge sehen Sie jetzt ein Meer von Plastikflaschen vor sich, das viel Platz im Koffer einnimmt.
Doch die Anzahl der Plastikflaschen können Sie reduzieren. Ersetzen Sie dazu das Duschgel durch eine Pflegeseife. Statt herkömmlicher Shampoos kaufen Sie dies in fester Form (Haarseife). Die Bodylotion ersetzen Sie durch Kokosfett oder Aloe-vera-Produkte. Bei den Wattestäbchen achten Sie darauf, dass der Stiel aus recyceltem oder FSC-zertifiziertem Papier besteht. Alternativen dazu sind Holz- oder Bambusstäbchen. Auch bei der Verpackung sollten Sie konsequent auf Papier oder kompostierbare Cellulosefasern setzen. Zahnpastatuben sind ebenfalls überflüssig, denn diese gibt es auch in Pulver- oder Tab-Form.
Die Strandtaschen
Spielzeug, Sonnencreme, Decke, Badelatschen und Co. müssen transportiert werden. Achten Sie darauf, dass Sie Strandtaschen einpacken, die kein Plastik enthalten. Ersetzen Sie diese durch Produkte aus Baumwolle, Jute, Hanf oder Leinen. Plastikfrei sind zudem die Materialien Kork und Piñatex (Ananasleder).
Umweltfreundliche Anreise zum Strand
Sind die Koffer gepackt, kann die Reise zu Ihrem Urlaubsziel mit Strand beginnen. Zugunsten des Klimas steigen Sie auf Bus oder Bahn um und lassen Ihr Auto zu Hause. Damit sich der Klimawandel nicht noch weiter beschleunigt, nehmen Sie sich für die Reise mehr Zeit und verzichten auf Flugreisen. Flugzeuge sind mit Kreuzfahrtschiffen die größten Umweltverschmutzer im Reiseverkehr, gefolgt vom Auto. Lässt sich eine Flugreise nicht umgehen, wählen Sie Direktflüge, denn bei Zwischenstopps mit jeweils einem Start und einer Landung ist der Treibstoffverbrauch am höchsten.
Planen Sie einen nachhaltigen Urlaub, wählen Sie ein Reiseziel, das in Deutschland oder in benachbarten Staaten liegt. Denn auch hierzulande sowie in den Niederlanden, in Polen und in Dänemark gibt es schöne Strände an Nord- und Ostsee.
Sind Sie wohlbehalten angekommen, gehen Sie zu Fuß zum Strand oder nutzen Sie ein Fahrrad oder einen Tretroller. Bedenken Sie, dass E-Bikes und E-Roller zwar wenig, aber dennoch Energie verbrauchen.
Mehrweg statt Einweg: nachhaltig essen und trinken am Strand
Die frische Strandluft und das Toben am Strand machen hungrig und durstig. Picknicken am Strand ist jetzt genau das Richtige – doch nur, wenn Sie es sorgfältig vorbereitet haben. Verzichten Sie auf Fast Food und „To Go“-Gerichte, denn diese befinden sich in Plastik- oder Schaumstoffverpackungen. Nachhaltig handeln Sie, wenn Sie das Essen selbst zubereiten und in wiederverwendbaren, plastikfreien Essensboxen verstauen. Strandfreundliche Gerichte sind Wraps sowie geschnittenes Obst und Gemüse. Für die Getränke nutzen Sie (plastikfreie) wiederverwendbare Becher und Thermosflaschen.
Müll vermeiden und richtig entsorgen
Um die Strände sauber und plastikfrei zu halten, ist jeder Besucher des Küstenabschnitts gefragt. Jeder kann dazu beitragen, die Strände sauber zu halten. Der effektivste Weg ist der, den Müll so weit wie möglich zu vermeiden. Dies gelingt, wenn Einwegverpackungen No-Gos am Strand sind. Die Müllvermeidung beginnt bereits auf dem Markt, wo Sie unverpackte Waren für Ihr Strandpicknick erhalten.
Fällt trotz aller Bemühungen dennoch Müll an, sollten Sie den Kindern ein Vorbild sein und zur Entsorgung die Mülleimer am Strand nutzen. Besser ist es, wenn in der Nähe eine Recyclingstation steht, an der Sie den Müll getrennt entsorgen können. Sind Sie es leid, untätig am Strand herumzuliegen, dann können Sie sich an Müllsammelaktionen beteiligen und damit vielen Tieren das Leben retten.
Hinweis: Mikroplastikpartikel verschmutzen die Meere. Diese gefährden die Meeresbewohner, Vögel und auch den Menschen. Denn die Mikroplastikpartikel gelangen über die Nahrungskette in den menschlichen Körper und richten dort Schäden an.
Rücksicht auf Tiere, Pflanzen und Dünenlandschaften
Auf Reisen lernen Urlauber andere Kulturen sowie die Flora und Fauna am Urlaubsort kennen. Damit die Natur erhalten bleibt, ist es notwendig, bei der Auswahl der Freizeitaktivitäten den Biotop- und Artenschutz zu beachten und sich über Verhaltensregeln in sensiblen Gebieten wie den Dünenlandschaften und Unterwasserwelten zu informieren. Was eigentlich selbstverständlich ist, sei hier noch einmal deutlich gesagt. Beschädigen Sie bei Ihren Spaziergängen keine Pflanzen und unterlassen Sie es, Wildtiere zu berühren. Verlassen Sie niemals die vorgesehenen Wege und halten Sie Ihren Hund an der Leine. Wie am Strand gehört auch kein Müll in die Landschaft. Nehmen Sie, wenn kein Mülleimer in der Nähe ist, Ihren Müll mit nach Hause.
Strandzubehör bewusst auswählen
Für einen Tag am Strand gibt es eine Menge zu transportieren. Zunächst brauchen Sie Strandtücher, Badesachen, ein gutes Buch und für die Kinder geeignetes Strandspielzeug, das vorzugsweise nicht aus Kunststoff besteht. Daneben benötigen Sie Verpflegung sowie Sonnenschutzmittel, Badeschuhe, Schnorchel und Schwimmflossen sowie Schwimm- oder Tauchermasken und Schwimmhilfen für Nichtschwimmer.
Nehmen Sie auf jeden Fall einen Sonnenschirm oder ein Strandzelt mit, um sich vor Sonne und Wind zu schützen. Damit Sie dies alles tragen können, ist ein faltbarer Strand- oder Bollerwagen unverzichtbar, denn mit einem solchen lassen sich auch kleine Kinder transportieren.
Lokale Angebote und nachhaltigen Tourismus unterstützen
Um Ihren Urlaub komplett nachhaltig zu gestalten, ist es bedeutend, dass Sie lokale Angebote und nachhaltigen Tourismus unterstützen. Während Ihres Urlaubs wohnen Sie in kleinen, lokal geführten Hotels, bei Airbnb-Gastgebern oder in Pensionen. Bevorzugen Sie Unterkünfte mit nachweisbaren Umweltmaßnahmen in Bezug auf die Energieeffizienz und auf das Abfallmanagement.
Unterstützen Sie beim Einkaufen, beim Essen, Wohnen und bei Ihren Aktivitäten kleine lokale Unternehmen. Essen Sie in familiär geführten lokalen Restaurants und an Streetfood-Ständen, unterstützen Sie damit die Einheimischen. Souvenirs erhalten Sie direkt von Handwerkern auf Märkten.
Auch bei geplanten Aktivitäten sind Sie besser mit lokalen Führern und kleinen Agenturen beraten. Behalten Sie bei diesen die Nachhaltigkeit im Auge. Unmotorisierte Aktivitäten wie Wandern, Rad- und Kajakfahren sind ebenso aufregend wie eine motorisierte Sightseeing-Tour. Um von A nach B zu kommen, sind öffentliche Verkehrsmittel, Züge und Fahrräder umweltschonender als Mietwagen oder Inlandsflüge.
Nachhaltiges Verhalten am Strand auf einen Blick
Abfälle mitnehmen: Alles, was Sie zum Strand mitbringen, sollten Sie auch wieder mitnehmen. Fremden Müll, den Sie aufsammeln, nehmen Sie ebenfalls mit oder entsorgen ihn vor Ort im Mülleimer oder an Recyclingstationen. Nutzen Sie stets Mehrweg- statt Einwegverpackungen für Ihre Mahlzeiten und Getränke.
Zu einem nachhaltigen Urlaub gehört es zudem, Rücksicht auf die Flora und Fauna zu nehmen. Bleiben Sie auf den Wegen und zertrampeln Sie keine Pflanzen. Füttern, berühren und stören Sie die Tiere nicht. Vor allem sollten Sie Nester und Gelege in Ruhe lassen. Vermeiden Sie es, Produkte aus Kunststoff mit zum Strand zu nehmen, denn Mikroplastikpartikel verschmutzen die Meere, töten Tiere und lassen Menschen erkranken.
Zudem sollten Sie für eine nachhaltige Reise umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen und auch zum Strand mit dem Fahrrad oder Bus fahren oder zu Fuß gehen. Unterstützen Sie in Ihrem Urlaub lokale zertifizierte Anbieter, die nachhaltige Dienstleistungen anbieten und nachhaltig handeln.
