Goldrecycling – Altgold sinnvoll wieder verwenden

Das Recycling von Altgold kann einen erheblichen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten. Foto: ©vladk213 / stock adobe

Ob als Schmuck am Hals einer Frau oder als Geldanlage – seit Jahrtausenden ist Gold der Inbegriff von Schönheit, Sicherheit und Wertbeständigkeit. Doch das Gelbe Metall ist nicht in unendlich verfügbar. Was liegt da näher, als Altgold durch Goldrecycling sinnvoll zu nutzen. Nachhaltiger als die gängigen Abbaumethoden scheint dies in jedem Fall.

Bei einem solch wertvollen Metall, das nicht nur als Investment, sondern auch für technische Geräte und insbesondere für Schmuck genutzt wird, stellt sich tatsächlich die Frage, wie nachhaltig der Abbau von Gold ist. Um dies vorwegzunehmen: Es gibt mit dem Recycling von Altgold einen nachhaltigen Weg zur Gewinnung des Edelmetalls.

Was auch aus ökonomischen Gründen sinnvoll ist, da das bekannte Goldvorkommen rund um den Globus auf Dauer der Nachfrage von Privatleuten und insbesondere großer staatlicher Notenbanken nicht nachkommen kann. Das „United States Geological Survey“ (USGS) schätzt die weltweit förderfähigen Reserven des Gelben Metalls aufgrund 54.000 Tonnen. Davon entfallen ca. 11.000 Tonnen auf Australien, 6.800 Tonnen auf Russland und 5.000 Tonnen auf Südafrika. Insgesamt repräsentieren diese drei Staaten 42 Prozent der globalen Goldreserven.

Die weltweite Goldnachfrage betrug im Jahr 2022 rund 4.741 Tonnen. Davon entfielen rund 46 Prozent auf die Schmuckbranche, 24 Prozent auf die Zentralbanken, 23 Prozent auf Investoren und 7 Prozent auf die Industrie.

Über ihre Zentralbanken haben die meisten Staaten mehr oder weniger große Mengen an Gold gebunkert. Nach Angaben des World Gold Council verfügten die USA im Jahr 2023 über rund 8.130 Tonnen Gold, die Bundesrepublik Deutschland über 3.350 Tonnen Gold. Auf den Plätzen dahinter rangieren der Internationale Währungsfonds (IWF) sowie die Länder Italien, Frankreich, Russland, China, Schweiz, Japan und Indien.

Diese Zahlen sind beeindruckend, gleichwohl nur eine Momentaufnahme. Denn Jahr für Jahr stärken diese Staaten – über die jeweiligen Zentralbanken – ihre Goldreserven durch Zukäufe in unterschiedlicher Höhe. Dies hat – neben der Nachfrage nach Schmuckgold und Investment-Gold – teils erheblichen Einfluss auf den Goldpreis je Feinunze (31,10 Gramm).

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Die staatliche Nachfrage nach Gold und jene seitens der Schmuckindustrie und privater Anleger lassen das Recycling des Edelmetalls durch die sinnvolle Wiederverwendung von Altgold nicht zuletzt in punkto Nachhaltigkeit noch wichtiger werden.

Gold Recycling

Bei der Frage nach möglichst nachhaltigen Geldanlagen aus Edelmetallen wurde in den letzten Jahren vor allen Dingen auf Bereiche wie die Lieferketten und die Einhaltung der Menschenrechte beim Abbau der jeweiligen Edelmetalle geachtet. Heute weiß man, dass die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck einer Geldanlage und insbesondere eines Edelmetalls sich auch mit den Auswirkungen der Gewinnung dieses Edelmetalls auf die Natur beschäftigen muss.

Hier ist das Gold Recycling in den letzten Jahren in den Fokus gerückt worden. Tatsächlich gehen Experten davon aus, dass durch mangelhaftes Recycling von Gegenständen, in denen Gold verarbeitet wurde, in den letzten Jahren und Jahrzehnten Goldreserven im Wert von 3,7 Milliarden Euro „verschwendet“ wurden. Dabei kann mit den richtigen Recycling-Ansätzen jeder von uns darauf achten, dass auch ein solch hochwertiges Metall wie Gold  nicht verloren gehen.

Teilweise haben Sie sogar die Möglichkeit, aus „altem“ Gold noch echtes Kapital zu machen. Wir zeigen Ihnen hier, wie das geht.

Zahngold

Gold als Zahnersatz kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Überlieferungen zur Folge sollen schon die alten Ägypter Zahnersatz aus Gold verwendet haben. Dabei wurden dünne Golddrähte geflochten und an den verbliebenen Zähnen befestigt, sodass in der Zahnlücke ein Geflecht aus Golddrähten entstand, welches die restlichen Zähne beim Kauen entlastete.

Auch im antiken China gab es bereits um das Jahr 1.000 v. Chr. Zahnfüllungen aus reinem Gold. Auf den Philippinen waren Goldzähne schon lange vor der Ankunft der Spanier ein wichtiges Kulturgut. Noch heute gelten Goldzähne im vorderen Schneidezahnbereich in manchen Kreisen als ein Zeichen für Wohlstand und Reichtum. Trotzdem wird Gold heute nur noch sehr selten in der Dentalmedizin eingesetzt – zumindest in westlichen Ländern.

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Dennoch besitzen einige Menschen noch Goldzähne oder haben Goldzähne geerbt. Dass solche Goldzähne auch heute noch eine Menge Geld wert sein können ist den wenigsten klar. Um das Gold vom Zahnersatz zu trennen, ist ein aufwendiges Verfahren erforderlich, das seinerseits wiederum einige Kosten verursacht. Ob es sich lohnt, das enthaltene Gold vom Restmaterial zu trennen, kann nur Fachmann mit Bestimmtheit sagen.

Er bestimmt den Wert des enthaltenen Goldes durch eine Messung des konkreten Goldanteils im Zahn. Nach einer solchen Goldanteilbestimmung kann ermittelt werden, ob ein Goldzahn recycelt werden kann.

Gold aus Elektroschrott

Es kann auf den ersten Blick verwundern, in wie vielen Dingen des alltäglichen Lebens Gold enthalten ist. Vor allem in elektrischen Geräten wie Handys, Computerplatinen und ähnlichen Geräteteilen ist oft Gold enthalten. Das hat den einfachen Hintergrund, dass dem Gold besondere Leitfähigkeiten zugesprochen werden.

Die in den einzelnen Geräten enthaltenen Goldmengen sind dabei zwar sehr gering. Aber gemessen an dem Aufwand, den es braucht, um ein Gramm Gold zu gewinnen, ist der Aufwand der Trennung des Goldes von den restlichen Bestandteilen der alten Technikgeräte überschaubar. So benötigt man beispielsweise rund 40 Handys, um so viel Gold zu recyceln, wie man aus einer Tonne Erz gewinnen könnte.

Wer also Nachhaltigkeit in seinen Alltag integrieren möchte, kann problemlos bei den alten Handys, Notebooks und anderen Elektrogeräten in seinem Haushalt anfangen. Zwar wird dafür in der Regel niemand etwas bezahlen – die Abgabe beim Recyclinghof bzw. bei den richtigen Stellen für die Wiederverwertung von Elektroschrott sorgt aber dafür, dass unser Planet weniger belastet wird und das wichtige Rohstoffe für den Bau neuer Elektrogeräte nicht so schnell ausgehen.

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Alter Schmuck

Die beste und einträglichste Art, Gold zu recyceln, ist das Einschmelzen von altem Schmuck. Auch hierbei ist der richtige Weg erst einmal der zum Experten. Viele Juweliere kaufen alten Goldschmuck auf und verarbeiten diesen dann neu.

Hierfür können Sie Ihren Goldschmuck zuerst beim Fachmann schätzen lassen. Danach wissen Sie, wie viel der Schmuck tatsächlich wert ist, und Sie können selbst ermessen, ob Sie bereit sind, diesen Schmuck für den materiellen Goldwert abzugeben oder ob der ideelle Wert – etwa eines Erbstückes – für Sie im letztlich höher ist.

Nachhaltige Produkte aus Gold

Bei der Frage nach einem nachhaltigen Lebensstil geht es aber nicht nur darum, ob wir die Dinge, die wir nicht mehr benötigen, entsprechend recyceln. Auch und vor allem das eigene Konsumverhalten ist ein wichtiger Faktor, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht. Nachhaltiger Schmuck – also solcher, der etwa aus recyceltem Gold gemacht wurde – ist eine gute Möglichkeit, den eigenen ökologischen Fußabdruck trotz einer gewissen Vorliebe für Goldschmuck so klein wie möglich zu halten.

Es gibt inzwischen eine Reihe von Anbietern, die sich auf die Produktion von nachhaltigem Schmuck spezialisiert haben und die uns damit Schmuckstücke präsentieren, die über ihren materiellen Wert hinaus auch noch etwas für die Gesundheit unseres Planeten tun.

Fazit

Ob ein Schmuckstück aus Altgold hergestellt wurde, können Sie diesem nicht ansehen. Damit ist der Kauf eines nachhaltigen Schmuckstücks für Sie nicht mit einem Verzicht auf Schönheit oder Eleganz verbunden.

Ein Blick in die eigenen Schubladen kann aber dabei helfen, wertvolle Metalle und seltene Erden wieder in den Recycling-Kreislauf zu integrieren und so die Belastung, die unser Lebensstil und unsere ständige Lust auf neue technische Geräte für diesen Planeten darstellen, erheblich zu verringern.

Hajo Simons Journalist

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).