Lohnt sich ein Balkonkraftwerk im Jahr 2024?

Ein Balkonkraftwerk ist gut für die Umwelt und kann auf Dauer erheblich Energiekosten sparen. Foto: ©reimax16 /stock adobe

Immer öfter werden Balkonkraftwerke auch von Discountern angeboten. Das Versprechen dabei: Sie können mit dem selbst produzierten Strom aus den Strahlen der Sonne Geld bei der Stromrechnung sparen.

Zusätzlich schonen Sie auch noch die Umwelt. Das klingt nach einer Win-win-Situation. Bleibt die Frage, ob sich der Kauf eines Balkonkraftwerks für den Verbraucher wirklich lohnt.

Solaranlage – die Sonne effizient nutzen

1891 wurde das erste Patent für eine Solaranlage angemeldet. Seitdem hat sich viel getan – der technische Fortschritt grade im Bereich der Solarenergie ist riesig. Solaranlagen erlauben es uns, die Strahlen der Sonne zu nutzen, um daraus Energie zu erzeugen. Diese kann entweder als Heizenergie (Solarthermie) oder als Strom verwendet werden. Beides hat für Verbraucher seinen Reiz und bedeutet teilweise eine deutliche Reduzierung der monatlichen Energiekosten.

Ein Balkonkraftwerk ist nur in der Lage, Strom durch Sonneneinstrahlung zu erzeugen. Doch auch das kann bereits eine deutliche Entlastung des Geldbeutels bedeuten. Mit einem Balkonkraftwerk können Sie – bei guter Ausrichtung und durchschnittlicher Sonneneinstrahlung – rund 3,2 bis 4,8 kWh/Tag erzeugen. Da die Sonne nicht das ganze Jahr über gleich stark scheint, kommen Balkonkraftwerke, je nach Größe, auf rund 600 bis 800 kWh/Jahr.

Bedenkt man, dass der Strompreis aktuell in den meisten Fällen zwischen 30 und 40 Cent pro Kilowattstunde liegt, kann ein Balkonkraftwerk Ihre Stromrechnung im Jahr um 200 bis 300 Euro reduzieren. Darüber hinaus gilt: Jede kWh aus Solarenergie ist eine Kilowattstunde weniger aus einem Kohlekraftwerk und damit eine Entlastung für unsere Umwelt. In besonders sonnenstarken Phasen, wie etwa im Jahr 2022, kann die erzeugte Strommenge noch höher liegen.

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Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk unterscheidet sich nicht sonderlich von einer klassischen Solaranlage. Die Solarmodule in der Mini-Solaranlage fangen die Lichtstrahlen ein und wandeln die dadurch erzeugte Wärme in Energie um.

Ein solches Balkonkraftwerk besteht aus zwei oder drei kleinen Photovoltaik-Modulen. Die in diesen Modulen erzeugte elektrische Energie wird in die Wechselrichter der Module geleitet. Das ist wichtig, da durch Sonnenlicht stets nur Gleichstrom erzeugt wird. In unserem Stromnetz arbeiten wir jedoch mit Wechselstrom. Aus diesem Grund muss der Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt werden.

Die meisten Balkonkraftwerke haben keinen Energiespeicher. Die hier erzeugte Energie ist oft nicht so groß, dass eine Einspeisung in das öffentliche Stromnetz stattfinden kann. Wenn Sie aber nur einen kleinen Haushalt mit einem niedrigen Stromverbrauch haben, kann das anders aussehen.

Das Problem dabei: Die einfachste Lösung ist an dieser Stelle in Deutschland nicht erlaubt. Denn wer ein Balkonkraftwerk hat, muss auch einen modernen Stromzähler mit Rücklaufsperre nutzen.

Das bedeutet, dass der Stromzähler nicht rückwärtslaufen darf, wenn mehr Strom produziert wird, als Sie tatsächlich gerade verbrauchen. Eine Einspeisung ins öffentliche Netz mit Vergütung ist für die wenigen Kilowattstunden, die bei einem Balkonkraftwerk ungenutzt bleiben, viel zu aufwendig.

Hier kann es sich lohnen, ein Balkonkraftwerk mit einem kleinen Energiespeicher zu kaufen. Ein solcher speichert zu viel erzeugte Energie für Zeiten, in denen Ihr Verbrauch wieder höher ist als die mit Ihrem Balkonkraftwerk erzeugte Energie. So können Sie das Maximum aus Ihrem Balkonkraftwerk herausholen.

Gut zu wissen – ein Balkonkraftwerk kann Sie nicht unabhängig machen

Grundsätzlich sind Balkonkraftwerke zu klein, als dass sie vom öffentlichen Stromnetz unabhängig machen könnten. Auch bei Stromausfällen ist ein Balkonkraftwerk keine Alternative. Denn der Wechselrichter braucht eine gleichbleibende Frequenz von 50 Hertz. Nur so kann er den Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln. Bei einem Stromausfall kann das Netz diese Frequenz nicht liefern. Der Wechselrichter schaltet daher automatisch ab, und es erfolgt keine weitere Einspeisung in Ihr Haushaltsnetzwerk.

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Gibt es Förderungen?

Die Förderlandschaft in Deutschland ist hier sehr unterschiedlich gestaltet. Manche Bundesländer wie Berlin oder Mecklenburg-Vorpommern bieten Förderprogramme für den Kauf von Balkonkraftwerken an. Hier wird der Kauf eines Balkonkraftwerks mit jeweils 500 Euro unterstützt. In Mecklenburg-Vorpommern ist der Fördertopf für Hauseigentümer komplett aufgebraucht – der für Mieter bietet aber auch im Jahr 2024 noch eine Menge Möglichkeiten, eine Förderung zu bekommen.

In Sachsen sind die Fördermittel für Eigentümer ebenfalls bereits zur Gänze ausgeschöpft. Doch auch hier können Mieter von Wohnungen oder Häusern noch immer von einer Förderung für die Installation eines Balkonkraftwerks profitieren. Immerhin 300 Euro werden in Sachsen zum Kauf eines solchen Kraftwerks zugeschossen.

Andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein beispielsweise haben ihre Förderprogramme aus dem Jahr 2023 schon wieder eingestellt.

Neben den Förderprogrammen der Bundesländer gibt es zusätzliche Programme in vielen Kommunen. Ob auch in Ihrer Stadt eine Förderung zur Verfügung steht, erfahren Sie bei der in Ihrer Gemeinde für solche Förderungen zuständigen Stelle. In der Regel kann Ihnen das Bauamt hier direkt Auskünfte erteilen oder Sie zumindest an die zuständige Stelle weiterleiten.

Was kostet ein Balkonkraftwerk?

Kleinere Anlagen können Sie bereits ab 300 Euro kaufen. Für ein durchschnittliches Balkonkraftwerk, mit dem Sie rund 200 Euro Stromkosten im Jahr einsparen können, müssen Sie mit Anschaffungskosten von etwa 800 Euro rechnen.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Die Strompreise haben sich im Jahr 2023 zwar etwas erholt und der Markt ist bei weitem nicht mehr so überhitzt wie noch im Jahr 2022. Aber auf Dauer betrachtet wird die Entwicklung der Energiepreise weiterhin eher seitwärts oder aufwärtsgerichtet sein. Ein Balkonkraftwerk hat sich in den meisten Fällen in 4 bis maximal 5 Jahren refinanziert. Damit sparen Sie spätestens ab dem 6. Jahr nach der Anschaffung Kosten ein.

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Die Lebensdauer eines guten Balkonkraftwerks wird von Experten heute mit 10 bis 15 Jahren angegeben. Damit lohnt sich es sich aus finanzieller Sicht auf jeden Fall, ein hochwertiges Balkonkraftwerk zu kaufen.

Doch nicht nur aus finanzieller Sicht sollte man über den Kauf eines Balkonkraftwerks nachdenken. Auch wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, kann ein Balkonkraftwerk den eigenen CO2-Fußabdruck deutlich reduzieren. Bereiche wie nachhaltiges Wohnen, nachhaltige Mobilität und auch nachhaltiges Reisen werden heute immer wichtiger.

Denn Umweltschutz ist ein Thema, das alle angeht. Mit einem eigenen Balkonkraftwerk gestalten Sie Ihr Wohnumfeld deutlich nachhaltiger. Ein Pluspunkt, der viele Verbraucher neben dem finanziellen Aspekt zusätzlich überzeugt hat.

Fazit

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich auf jeden Fall – wenn Ihr Balkon so gelegen ist, dass hier ausreichend Sonnenlicht einfällt. Mit einer solchen Mini-Solaranlage können Sie nicht nur Ihre Stromkosten im Jahr um 200 bis 300 Euro senken – Sie tun auch noch etwas für die Umwelt. Eine echte Win-win-Situation.

Hajo Simons Journalist

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).