Produkte aus der Kokosnuss – welche gibt es?

Die Kokosnuss ist eine vielseitige Frucht. Foto: © kitiya / stock adobe

Die Kokosnuss ist ein Überlebenskünstler. Sie übersteht einen Sturz aus zwanzig bis 25 Metern Höhe. Und auch wenn sie ununterbrochen 400 Kilometer weit im Wasser treibt, kann sie das nicht umbringen, denn sie ist von Natur aus gut verpackt. Daneben ist sie vielseitig, denn sie lässt sich zu verschiedenen und auch nachhaltigen Produkten weiterverarbeiten.

Aufbau und Bestandteile der Kokosnuss

Was braun und verlockend im Supermarkt liegt und Käufern die Karibik ein wenig näherbringt, ist nicht die gesamte Kokosnuss, sondern nur ihr Kern. Die ganze Steinfrucht sieht anders aus. Es ist nicht nur ihre grüne ledrige Außenhaut, das Exokarp, sondern auch die fast dreieckige Form, die nicht an die braune Steinfrucht aus dem Supermarkt erinnert. Die ganze Steinfrucht wiegt bis zu 2,5 Kilogramm und wird bis zu vierzig Zentimeter lang.

Das Exokarp schützt die Kokosnuss vor Salzwasser, Bakterien und Pilzen, die ohne diese Außenhaut ins Innere der Steinfrucht dringen würden. Doch die äußere Haut ist nicht die einzige Schicht, die den braunen Kern vor einem Bruch schützt. Dazwischen liegt das Mesokarp, eine faserige Mittelschicht, die ihn polstert.

Die nächste Schicht ist das Endokarp. Dieser Begriff bezeichnet die innere harte Fruchtwand aus druckfestem Holzmaterial. Ihr folgt das feste Endosperm, eine weiße, ölhaltige Kopraschicht. Dieses leckere Kokosfleisch bildet sich, sobald die Kokosnuss reifer wird.

Im Inneren befindet sich ein Hohlraum, gefüllt mit einer Nährflüssigkeit. Der Fachbegriff dafür lautet flüssiges Endosperm. Umgangssprachlich wird es als Kokoswasser bezeichnet.

Lebensmittel aus der Kokosnuss

Die Kokosnuss zählt weltweit – als „Baum der tausend Verwendungen“ – zu den wichtigsten Agrar-Rohstoffen. Beispielsweise entstehen aus dem gesunden getrockneten Fruchtfleisch Kokosraspeln. Diese eignen sich für Backwaren, Müslis und Desserts.

Ein bedeutsames Produkt ist das Kokosöl, das durch Auspressen ebenfalls aus dem festen Fruchtfleisch gewonnen wird. Kokosöl deckt zwölf Prozent des globalen Pflanzenöl-Bedarfs ab und wird zum Braten, Backen und Kochen verwendet.

Zudem entsteht aus dem Kokosnussfleisch die Kokosmilch. Dazu wird das Kokosfleisch von den reifen Kokosnüssen zunächst zerkleinert und danach ausgepresst. Die Kokosmilch ist vegan, laktosefrei und reich an Vitaminen. Zudem enthält sie wertvolle Mineralstoffe.

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Die cremige dickflüssige „Milch“ dient als Sahne-Ersatz und darf in vielen exotischen Gerichten wie dem „Kichererbsen Kokos Curry“ nicht fehlen. Andere Gerichte, für die sie sich eignet, sind ein Kartoffel-Gemüse-Auflauf und eine Kürbissuppe mit Kokosmilch. Zudem taugt sie als Zutat für Eis und Dessertcremes.

Bei der Produktion von Kokosöl entsteht zusätzlich Kokosmehl. Denn durch das Pressen bilden sich Pressrückstände. Um daraus Kokosmehl entstehen zu lassen, werden diese gemahlen. Das Mehl hat nur ein leichtes Kokosaroma, das beim Backen oder Kochen nicht vorherrscht.

Das ballaststoffreiche und glutenfreie Kokosmehl ist für alle Menschen mit Verdauungsproblemen eine Alternative zum Weizenmehl. Jedoch sollten Sie das Getreidemehl beim Backen nur zu einem Fünftel durch Kokosmehl ersetzen. Pro ¼-Tasse Kokosmehl braucht der Teig ein Ei mehr. Vollständig ersetzen können Sie das Getreidemehl, falls Sie dünne Pfannkuchen backen.

Ein weiterer Vorteil von Kokosmehl ist, dass es frei von Phytinsäure ist. Die Säure bewirkt, dass der Körper Eisen, Zink, Calcium und Magnesium weniger gut aufnehmen kann. Besonders Veganer nehmen davon große Mengen zu sich, sodass sie häufig von einem Nährstoffmangel bedroht sind. Kokosmehl ist daher eine gesunde Alternative zu Vollkornweizen und Hafer, in denen sich Phytinsäure befindet.

Aus dem Blütenstand der Kokospalme entstehen die Süßungsmittel Kokosblütensirup und Kokosblütenzucker. Die Produkte sollten trotz ihres süßen malzig-karamelligen Aromas nicht im Übermaß verzehrt werden.

Getränke aus der Kokosnuss

Vielen Menschen ist durch den Medienrummel um die Kokosnuss bekannt, dass das klare Kokoswasser gesund sein soll. Vorwiegend Sportler schätzen dieses Getränk, weil es erfrischend wirkt, angenehm schmeckt und den Elektroyth-Haushalt des Körpers ausgleicht. Mineralstoffe wie Magnesium, Calcium und Kalium tragen zur Stärkung von Knochen und Muskeln bei.

Die Mikronährstoffe im Kokoswasser stärken das Immunsystem. Zudem wird ihm nachgesagt, dass es eine Anti-Aging-Funktion hat und zur Krebsbekämpfung beiträgt.

Normalerweise bilden Trauben die Grundlage für Weine. Jedoch gibt es eine Alternative, denn in einigen tropischen Regionen der Welt werden Palmweine aus dem Blütennektar der Kokospalme hergestellt.

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Zudem können Kokosnuss-Cocktails Ihre nächste Party unvergesslich machen. Sie verbreiten ein tropisches Flair und sind vielseitig. Denken Sie nur einmal an Publikumslieblinge wie an die Piña Colada oder den Kokos-Mojito. Außerdem begeistern die Kiwi Colada und der Kokosnuss Martini die Partygäste.

Gäste, die nüchtern bleiben möchten, überzeugen Sie mit dem cremigen, süßen sowie tropischen Geschmack des Piña Colada Mocktails. Die Ananas verleiht ihm einen Hauch Säure. Ebenfalls alkoholfrei ist der Coconut Kiss mit Kokossirup, Sahne, Ananassaft, Orangensaft, Eiswürfel, einer Ananasscheibe und Granatapfelsirup als Zutaten.

Kosmetische Produkte

In der Naturkosmetik ist das aus dem Fruchtfleisch gewonnene Kokosöl unverzichtbar für die Pflege von Haut und Haaren geworden. Denn es spendet Feuchtigkeit und besitzt nährende Eigenschaften. Es beruhigt trockene Haut und revitalisiert. Vitamine und Antioxidantien verlangsamen die Hautalterung und schützen vor freien Radikalen. Strapazierte und trockene Haare erhalten ihren Glanz zurück und werden geschmeidig. Zudem schützen die Naturprodukte Haut und Haare vor schädlichen Umwelteinflüssen.

Kosmetikprodukte mit Kokosöl wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Deshalb findet es sich in Produkten gegen unreine und für empfindliche Haut wieder. Kokoswasser hat dagegen eine erfrischende und belebende Wirkung.

Haushalts- und Industrieprodukte

Von der Kokospalme kann nahezu alles verarbeitet werden. Die Fasern der äußeren Hülle der Kokosnuss verwendet die Industrie zur Herstellung von Kokosnussmatten, Bürsten oder Seilen. Zudem werden sie der Blumenerde beigemischt, da sie Wasser gut speichern und Wurzeln belüften.

Das Holz der Kokospalme dient der Herstellung von Möbeln, Booten und Häusern. Aus den Blättern der Kokospalme entstehen Dächer, Körbe und Matten. Selbst das Holz der getrockneten Kokosnussschale findet Verwendung. Dieses leistet seine Dienste als Aktivkohle, die der Entgiftung dient oder in Wasserfiltern verwendet wird.

Nachhaltigkeit und Verwendung der Reste

Im Jahr 2022 wurden Meldungen laut, dass die Kokosnuss ihrem nachhaltigen Ruf und als Ersatz für Palmöl nicht gerecht wird. Die Kritik bezieht sich hauptsächlich darauf, dass für den Kokosnussanbau Urwälder abgeholzt und Böden umgegraben werden. Dieser Vorgang setzt die in den Pflanzen und Bäumen gebundenen Treibhausgase frei.

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Durch den Verlust von Urwald sind die Lebensräume von mehr als sechzig Tierarten bedroht und einige sind bereits verschwunden. Zudem wird der unfaire Handel angeprangert. Höhere Einnahmen versickern bei Zwischenhändlern, sodass die Bauern unter der Armutsgrenze leben.

Dennoch haben Kokospalmen Vorteile für die Umwelt, denn ihr ausgedehntes Wurzelsystem stabilisiert den Boden. Dadurch werden Erosion und der Verlust von Muttererde verhindert. Außerdem absorbieren Kokospalmen Kohlendioxid aus der Atmosphäre und speichern sie in ihrer Biomasse. Dies wirkt dem Klimawandel entgegen.

Auch der Kokospalmenanbau kann beim Verzicht auf Pestiziden – und falls sie neben anderen Nutzpflanzen angebaut werden – nachhaltig sein. Die Diversifizierung verbessert die Bodenfruchtbarkeit, verringert Krankheiten und den Befall mit Schädlingen. Zudem tragen Tropfbewässerung und die Nutzung von Regenwasser dazu bei, Ressourcen und die Umwelt zu schonen.

Zur Nachhaltigkeit trägt bei, dass Kokospalmen nahezu restlos verwertbar sind. Besonders geschätzt werden die Kokosfasern. Die Industrie verarbeitet sie beispielsweise in Geotextilien mit dem Ziel, Erosionen zu verhindern, Böden zu verbessern und Wasserwege zu stabilisieren. Zudem kann aus den Fasern biologisch abbaubares Verpackungsmaterial hergestellt werden. Dieses schützt durch seine Stoßfestigkeit empfindliche Güter.

Auch die Automobilindustrie verwendet Kokosfasern. Aus diesen entstehen Sitzpolster, Innenverkleidung und Dämmstoffe. Zudem nutzt die Industrie Kokosnussreste zur Herstellung von Tierfutter.

Fazit

Kokosnüsse und Palmen, an denen sie wachsen, sind beim bedachten Anbau nachhaltig. Ihre Bestandteile lassen sich restlos verwerten und sie finden in vielen Branchen wie in der Automobilindustrie und dem Hausbau Verwendung. Zudem werden aus ihnen Haushaltsprodukte, Kosmetika sowie Tierfutter und Pflegeprodukte für Tiere hergestellt. Selbst der Gartenbau nutzt seine Fasern.

Die Kokosnuss ist weltweit ein bedeutsames Nahrungsmittel, das Menschen mit wichtigen Vitaminen und Mineralien versorgt. Aus ihnen lassen sich schmackhafte Gerichte und erfrischende Getränke zubereiten.

Hajo Simons Journalist

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).