Zigaretten selbst zu drehen, kann gegenüber dem Kauf fertiger Zigaretten einige Unterschiede mit sich bringen. Raucher bestimmen die Tabakmenge selbst, wählen Papier und Filter aus und benötigen keine klassische Zigarettenschachtel. Doch bedeutet das auch, dass weniger Ressourcen verbraucht werden?
Für die Umweltbilanz zählt mehr als die Verpackung an der Ladenkasse. Tabakanbau, Verarbeitung, Transport und Entsorgung verursachen ebenfalls Belastungen. Ob das Selberdrehen Vorteile bietet, hängt deshalb von den verwendeten Materialien und dem tatsächlichen Verbrauch ab. Ein genauer Blick zeigt, wo Einsparungen möglich sind und weshalb selbst gedrehte Zigaretten trotzdem kein umweltfreundliches Produkt sind.
Zigaretten selber drehen: Wie funktioniert es und was wird benötigt?
Zum Selberdrehen werden loser Tabak und Zigarettenpapier benötigt. Meist kommen separate Filter hinzu. Wer nicht von Hand drehen möchte, kann eine kleine Drehmaschine verwenden. Beim Stopfen wird dagegen Tabak in eine vorgefertigte Zigarettenhülse gefüllt.
Beim Drehen werden Tabak und gegebenenfalls ein Filter in das Papier gelegt. Anschließend wird das Blatt eingerollt und mit dem Klebestreifen verschlossen. Zigarettenpapier ist in unterschiedlichen Größen erhältlich, darunter längere Formate wie Long Papes. Wie viel Material dabei verbraucht wird, hängt von der Papiergröße und der Tabakfüllung ab.
Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu Fertigzigaretten: Die verwendete Tabakmenge ist nicht vorgegeben. Allerdings kann sie von Zigarette zu Zigarette schwanken.
Selbst gedrehte Zigaretten vs. Fertigzigaretten: Die wichtigsten Unterschiede
Fertigzigaretten haben innerhalb einer Sorte weitgehend einheitliche Abmessungen und Füllmengen. Selbst gedrehte Zigaretten unterscheiden sich stärker in Dicke, Länge und Tabakgehalt. Dünnere Exemplare können weniger Tabak enthalten. Bei einer großzügigen Füllung entfällt dieser mögliche Vorteil.
Auch die Verpackungen unterscheiden sich. Fertigzigaretten werden gewöhnlich in Schachteln verkauft. Loser Tabak steckt beispielsweise in Beuteln oder Dosen. Hinzu kommen die Verpackungen für Papier und Filter. Beim Vergleich müssen deshalb alle Bestandteile berücksichtigt werden.
Ein gesundheitlicher Vorteil lässt sich aus dem Selberdrehen nicht ableiten. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass sämtliche Formen des Tabakkonsums schädlich sind. Auch eine selbst zusammengestellte Zigarette setzt beim Rauchen gesundheitsschädliche Stoffe frei.
Welche Materialien werden beim Selberdrehen verbraucht?
Den größten sichtbaren Anteil bildet der Tabak. Zusätzlich werden Papier, Klebstoff und meist ein Filter verwendet. Zigarettenpapier kann aus unterschiedlichen pflanzlichen Fasern hergestellt werden. Die Umweltwirkung hängt unter anderem davon ab, wie die Rohstoffe gewonnen und verarbeitet werden.
Dazu kommen Tabakbeutel, Filterverpackungen und Papierheftchen. Manche Tabakverpackungen bestehen aus mehreren verbundenen Materialschichten. Diese schützen den Inhalt, können aber das Recycling erschweren. Eine größere Verpackung ist deshalb nicht automatisch die umweltfreundlichere Wahl.
Auch Angaben wie „ungebleicht“ oder „natürlich“ erlauben nur begrenzte Rückschlüsse. Sie beschreiben einzelne Eigenschaften. Für eine Bewertung wären zusätzlich Informationen über Herstellung, Verpackung und Transport erforderlich. Das Ausgangsmaterial allein reicht dafür nicht aus.
Sind selbst gedrehte Zigaretten nachhaltiger als Fertigzigaretten?
Ein möglicher Vorteil entsteht, wenn insgesamt weniger Tabak verbraucht wird. Entscheidend ist dabei die Gesamtmenge: Wer dünnere Zigaretten dreht, davon aber mehr raucht, spart möglicherweise keinen Tabak ein. Die Betrachtung einer einzelnen Zigarette kann daher irreführend sein.
Bei Verpackungen hängt eine mögliche Einsparung von deren Gewicht, Material und der enthaltenen Tabakmenge ab. Außerdem sollte der Inhalt vollständig verwendet werden. Tabak, der vertrocknet und weggeworfen wird, hat bereits beim Anbau und bei der Verarbeitung Ressourcen beansprucht.
Ob selbst gedrehte Zigaretten im konkreten Fall besser abschneiden, ließe sich nur mit einem Vergleich entsprechender Produkte feststellen. Ohne solche Daten bleibt die Aussage begrenzt: Materialeinsparungen sind möglich, ein allgemeiner Umweltvorteil ist damit nicht belegt.
Umweltbelastung durch Tabakanbau, Herstellung und Transport
Die Umweltbelastung beginnt lange vor dem Drehen oder dem Öffnen einer Zigarettenschachtel. Tabak benötigt Anbauflächen und Wasser. Dünger und Pflanzenschutzmittel können Böden und Gewässer belasten. Werden Wälder für Anbauflächen gerodet, gehen zusätzlich Lebensräume verloren.
Nach der Ernte müssen die Blätter getrocknet und weiterverarbeitet werden. Je nach Verfahren wird dafür unter anderem Holz als Brennstoff eingesetzt. Verpackung und Transport benötigen ebenfalls Energie. Die WHO beschreibt diese Belastungen entlang des gesamten Lebenswegs von Tabakprodukten.
Diese Arbeitsschritte fallen auch bei Drehtabak an. Das Selberdrehen verändert vor allem die Herstellung der fertigen Zigarette. Die Belastungen aus Landwirtschaft und Tabakverarbeitung bleiben bestehen. Für die Umweltbilanz ist deshalb auch wichtig, woher der Tabak stammt und unter welchen Bedingungen er produziert wird.
Zigarettenfilter und Kippen: Ein unterschätztes Umweltproblem
Herkömmliche Zigarettenfilter bestehen meist aus Celluloseacetat. Dabei handelt es sich um einen Kunststoff, obwohl der Ausgangsstoff Cellulose pflanzlichen Ursprungs ist. Die Filter werden in der Umwelt schlecht abgebaut und können zur Belastung durch Mikroplastik beitragen. Darauf verweist die WHO in ihren Informationen zu Tabak und Umwelt.
Das Problem betrifft Fertigzigaretten und selbst gedrehte Zigaretten mit entsprechenden Filtern gleichermaßen. Hinzu kommen Tabakreste und Schadstoffe, die an der Kippe haften. Weggeworfene Zigarettenreste sind daher kein harmloser Papierabfall.
Vollständig gelöschte und erkaltete Kippen gehören in den Restmüll. Unterwegs lassen sie sich in einem Taschenaschenbecher sammeln. Auch als biologisch abbaubar beworbene Filter sollten weder in der Natur noch im Abfluss oder auf dem Kompost entsorgt werden.
Kostenvergleich: Ist das Selberdrehen von Zigaretten günstiger?
Das Selberdrehen kann günstiger sein. Wie groß der Unterschied ausfällt, hängt vom Tabakpreis, der Füllmenge und den Ausgaben für Papier und Filter ab. Wer mehr Tabak pro Zigarette verwendet, erhält aus derselben Packung entsprechend weniger.
Für einen aussagekräftigen Vergleich werden sämtliche Materialkosten durch die tatsächlich hergestellte Anzahl an Zigaretten geteilt. Der so ermittelte Stückpreis lässt sich mit dem Preis einer Fertigzigarette vergleichen. Anschaffungskosten für eine Drehmaschine und ungenutzte Tabakreste sollten ebenfalls berücksichtigt werden. Die persönliche Ersparnis sagt allerdings wenig über die Umweltwirkung aus. Niedrigere Ausgaben bedeuten nicht zwangsläufig, dass weniger Wasser, Energie oder Rohstoffe benötigt werden.
Fazit: Sind selbst gedrehte Zigaretten wirklich umweltfreundlicher?
Selbst gedrehte Zigaretten können weniger Tabak oder Verpackungsmaterial benötigen. Ob daraus ein Umweltvorteil entsteht, hängt vom Gesamtverbrauch und den konkreten Produkten ab. Als grundsätzlich nachhaltiger lassen sie sich deshalb nicht einstufen.
Die wesentlichen Belastungen durch Tabakanbau, Verarbeitung und Zigarettenabfälle bleiben bestehen. Eine sorgfältige Entsorgung verhindert zumindest, dass Kippen unmittelbar in die Umwelt gelangen. Den Ressourcenverbrauch des Tabakkonsums verringert vor allem eine geringere konsumierte Menge. Wer vollständig auf das Rauchen verzichtet, vermeidet diesen Verbrauch und die damit verbundenen Abfälle.
