Wirtschaft versus Umwelt: Norwegen macht Fjorde dicht

Norwegen: Der lukrative Kreuzfahrttourismus in den Fjorden beugt sich den Erfordernissen des Umweltschutzes. Das war wohl längst überfällig.

An dem norwegischen Geirangerfjord liegt das 200-Seelen-Dorf Geiranger. Fährt im Sommer etwa das Kreuzfahrtschiff MSC Meraviglia dort vor, sind es mit einem Schlag 5.714 Personen mehr. Sie kaufen Souvenirs, sorgen für Arbeitsplätze und bescheren Geiranger für die mehrstündige Liegezeit im Hafen rund 18.000 Euro Einnahmen.

Die Kehrseite zeigt sich in einer Luftqualität wie mitten in Oslo. Inklusive dicker brauner Wolken über Geiranger und einer schlechten Wasserqualität aufgrund abgelassener Kloake der Ozeanriesen.

Mit diesem Szenario, das vielen weiteren gleicht, soll jedoch bald Schluss sein. Denn Norwegen hat für die Fjorde Nærøyfjord, Aurlandsfjord, Geirangerfjord, Sunnylvsfjord und Tafjord, die teilweise zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen, seit März 2019 strenge Umweltauflagen erlassen. Sie sollen künftig schrittweise noch verschärft werden. Bis 2026 sollen die Kreuzfahrtschiffe in den Fjorden komplett frei von schädlichen Emissionen fahren.

 

Strenge Richtlinien für Kreuzfahrt in norwegischen Fjorden

Für die Luxusschiffe gilt fortan: kein Schweröl ohne Filter, kein Ablassen von Kloake und viel strengere Grenzwerte für Schwefel- und Stickoxide. Für die betreffenden Reedereien muss daher nun ein Umdenken beginnen. Sie müssen auf strom- und wasserstoffbetriebene Schiffe umrüsten, wofür die Technologie bereits vorhanden sei.

Die Reederei MSC, deren Schiffe gehäuft in den norwegischen Fjorden kreuzen, rüsten schon um. Dort sollen alle Kreuzfahrtschiffe, die aktuell mit Schweröl betrieben werden, hybride Abgasreinigungssysteme (EGCS) bekommen. Durch sie werde der Schwefelgehalt in den Emissionen um 98 Prozent reduziert, so eine Sprecherin der Reederei.

Doch sollte ab 2026 in den Fjorden ein Null-Emissionen-Standard gefordert werden, könnten die MSC-Schiffe dort nicht mehr eingesetzt werden. Diesen möglichen Umsatzrückgang nimmt der Bürgermeister von Geiranger allerdings in Kauf, denn so würden sich neue Wirtschaftszweige entwickeln, die sämtliche Transportmittel abgasfrei machen.

Die Gemeinde hat bereits Lösungsszenarien für eine Zukunft ohne Ozeanriesen parat. Eine davon sieht vor, die Kreuzfahrtschiffe vor den Fjorden zu parken, um die Urlauber von dort aus mit Elektrobooten in das Dorf zu fahren. Denn auf gar keinen Fall soll sich ein alternativer Bustourismus entwickeln, der die Serpentinen, die zum Dorf führen, völlig überlasten würde. Insgesamt soll die Anzahl der täglichen Besucher in Geiranger reduziert werden.

Der Bürgermeister von Geiranger will das Dilemma zwischen den Ansprüchen der Wirtschaft und den Erfordernissen des Umweltschutzes lösen, indem alle Parteien zusammenarbeiten.


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