Klimawandel hautnah: die „Polarstern“ am Nordpol

Klimawandel Nordpol
Klimawandel Nordpol

Der Klimawandel am Nordpol – besser: seine Folgen – ist erschreckend. Forscher auf der „Polarstern“ bekommen es mit dünnem Eis und hungrigen Eisbären zu tun.

 

Klimaforscher, die auf dem bekannten Expeditionsschiff „Polarstern“ unterwegs sind, haben schon immer unter harten Bedingungen gearbeitet. Was den 300 Wissenschaftlern jedoch neuerdings zu schaffen macht, sind die Auswirkungen des Klimawandels – die es am Ort des Geschehens zu erforschen gilt. Die Aufgabe der ein Jahr dauernden „Mosaic“-Expedition ist nämlich, die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die winterliche Arktis zu untersuchen.

Bei weniger als -30 Grad Celsius driftet die „Polarstern“ dafür ohne eigenen Antrieb in der Nähe des Nordpols. Damit befindet sich das Schiff samt Forscherteam an einem Ort, an dem die Auswirkungen der Erderwärmung deutlich spürbar sind. Denn die Arktis erwärmt sich stärker als der Rest des Planeten. Aktuell ist zu beobachten, dass die Meereisdeckung deshalb so niedrig wie noch nie zu diesem Zeitpunkt ist – seit Anbeginn der Messungen vor etwa 40 Jahren.

Folge des Klimawandels am Nordpol: Das Eis ist dünn und instabil

Der Klimawandel am Nordpol hat viele Auswirkungen. Eine Folge: Das Eis ist ungewöhnlich dünn und äußerst instabil. Um sich an ihr zu verankern, musste für die „Polarstern“ jedoch eine Scholle gefunden werden, die mit mehreren Metern Dicke ausreichend stabil ist. Diese wurde gefunden – zumindest zum Teil. Denn der südliche Teil der Scholle ist durch den vergangenen warmen Sommer so instabil, dass die Forscher auf ihr keine schweren Geräte zur Untersuchung verwenden konnten. Diese dünnen Schollenbereiche konnten auch keinen Stürmen standhalten und zerbrachen. Laut Expeditionsteam besteht diese Gefahr sogar für den Teil der Scholle, an dem die „Polarstern“ angedockt ist.

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Gefährlicher Riss im Eis als Folge des Klimawandels

Ende Oktober 2019 war die Gefahr des brechenden Eises ganz nah: Die Forscher entdeckten einen gefährlichen Riss im Eis, der sich in der Nähe des Schiffes befand. Ohne schnelles Eingreifen mithilfe eines Hubschraubers wäre es nicht möglich gewesen, im letzten Moment wichtiges Gerät zu bergen, das auf der Scholle deponiert war.

Denn um ein Haar wäre durch den Riss im Eis auch die Verbindung zwischen der Scholle und dem Forschungsschiff gekappt worden. Was das Forscherteam an Dramatik erlebt, ist für die tierischen Bewohner der Arktis trauriger und lebensbedrohlicher Alltag.

Hajo Simons Journalist

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).