Klimafreundliche Kreuzfahrt – von der Realität noch entfernt?

Klimaschädliche Kreuzfahrt
Klimaschädliche Kreuzfahrt

Eine klimafreundliche Kreuzfahrt? Es gibt erste Vorstöße und positive Aktivitäten. Doch es ist, so scheint es, noch ein weiter Weg bis zum Ziel.

 

Die Kreuzfahrt ist beliebt: Im Jahr 2018 gingen rund 2,23 Millionen Deutsche auf Kreuzfahrt. Laut NABU verbrauchen die schwimmenden Kleinstädte jedoch immens viel Energie in Form von Schweröl. Zudem stoßen sie Feinstaub, Ruß, Stickoxide und Schwefeloxide aus. Wenn Reedereien mitteilen, ihre Schiffe – etwa die Aidanova von AIDA – würden mit Flüssiggas (LNG) angetrieben, scheint dies Augenwischerei. Denn es entweicht damit das Klimagas Methan in die Atmosphäre. LNG-Antriebe sorgen zwar für eine geringere Belastung der Luftqualität in Hafen- und Küstennähe und beschert Platz eins im NABU-Ranking 2018. Dennoch könne laut NABU der LNG-Antrieb im Sinne des Klimaschutzes nicht die ultimative Lösung sein.

Batteriebetriebenes Kreuzfahrtschiff von AIDA als Klima-Vorreiter

Mit dem ersten Platz im Klimaranking 2018 will die Kreuzfahrtreederei AIDA sich nicht zufrieden geben. Sie kündigt daher an, 2020 erstmals eine Batterietechnik zum emissionsfreien Fahren einsetzen zu wollen. Wie der AIDA-Chef Felix Eichhorn betont, sei das langfristige Ziel die emissionsneutrale Kreuzfahrt. Auf sie werde in Etappen hingearbeitet und der Einsatz von Batterien sei ein weiterer Baustein.

Dieser Aussage widerspricht allerdings, dass AIDA zeitgleich ein anderes Klimaprojekt aufgegeben hat: Die Schiffe Aidaprima und Aidaperla, die seit 2016 zwischen Hamburg und dem Ärmelkanal kreuzten, verbrannten bislang während der Liegezeit keinen Diesel, sondern das etwas weniger schädliche LNG. Dieses Projekt scheiterte nun an Bürokratie und Praxis: Lauf Eichhorn ist dieses Projekt lediglich ein notwendiger Vorläufer des 2018 erreichten kompletten Flüssiggas-Betriebs gewesen.

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In 2019 listete der NABU erstmals Klimaschutz-Technologien im Bereich der Antriebe und der Energieversorgung in einer gesonderten Kategorie. Hier konnten sich allerdings nur zwei Segelschiffe und solche, die während der Liegezeit im Hafen ihren Energiebedarf via Landstromanschluss aus erneuerbaren Energien speisen, hervortun. Herausragend sei überdies das Hybridschiff „Roald Amundsen“ von Hurtigruten. Denn es ermöglicht mit seinem diesel-elektrischen Antrieb einen Effizienzgewinn und eine einhergehende CO2-Minderung.

Umweltverbände fordern angesichts der zu bewältigenden Klimakrise ein schnelles Umdenken der Kreuzfahrtbranche. Die Riesenschiffe müssten nicht länger mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden, da die technischen Möglichkeiten zur umfassenden Reduzierung von Luftschadstoffen heute gegeben seien.

Hajo Simons Journalist

Verfasst von Hajo Simons

arbeitet seit gut 30 Jahren als Wirtschafts- und Finanzjournalist, überdies seit rund zehn Jahren als Kommunikationsberater.
Nach seinem Magister-Abschluss an der RWTH Aachen in den Fächern Germanistik, Anglistik und Politische Wissenschaft waren die ersten beruflichen Stationen Mitte der 1980er Jahre der Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen (Pressesprecher) sowie bis Mitte der 1990er Jahre einer der größten deutschen Finanzvertriebe (Kommunikationschef und Redenschreiber).